“Gipsy Girl” ist ein Einzelbau auf Basis einer südafrikanischen Bongers 39. Der Entwurf stammt vom im Kapgebiet zu damaliger Zeit sehr bekannten Konstrukteur F.M. “Poppy” Bongers. Er konstruierte das Schiff als “downwind-Renner”, perfekt um am ersten Cape-to-Rio-Rennen teilzunehmen, das mit dem Passatwind hinüber nach Brasilien führte. Zweifelsohne zeichnete er das Schiff mit Einfluss seines Sohnes W. “Bobby” Bongers, der damals ein sehr bekannter Flying-Dutchman-Segler war und auch in Europa regelmäßig Admirals-Cup-Yachten skipperte.
Bobby baute die ersten beiden Schiffe “Outburst” und “Port Rex” aus formverleimten Holz, rüstete sie zusammen mit seinem Bruder Eric Bongers aus, der olympischer Finn-Segler (6. Platz in Melbourne 1956) war. So viele Jollensegler in der Familie – da verwundert es kaum, dass man sagt, die Bongers 39 wäre von den Linien an den Rumpf eines Flying-Dutchman angelehnt.
Die Besonderheiten der ersten beiden Prototypen waren vor allem das angehängte Ruder an einem breiten Spiegel und ein Mittelcockpit mit Achterkabine. Die Takelung war für damalige Zeit klassisch: Eine enorm große Genua, die das wesentlich kleinere Großsegel um die Hälfte überlappte. Das 15 Meter lange Rigg wurde mit Babystag und zwei Backstagen gefahren.
Bobby Bongers skipperte im Rennen 1971 die “Outburst” und erreichte als elftes von 69 Schiffen das Ziel in Rio de Janeiro. Rechnerisch war er sogar siebter. Eric Tabarly wurde auf “Pen Duick III” nach Handycap vierter, Robin Knox-Johnston ersegelte mit seiner “Ocean Spirit” nur den 14. Platz.
Später nahm die “Outburst” auch an der Vorausscheidung für den Admiral’s Cup, nördlich von Kapstadt teil. Die YACHT berichtet in Heft 6/73:
“Dritte im Bunde wurde die ‘Outburst’, konstruiert und gebaut von Bobby Bongers. Sie hat eine Länge von 39 Fuß und ist sehr leicht gebaut. Ursprünglich war sie als Kapstadt-Rio-Spezialistin gedacht, das heißt, ausgezeichnete Vormwind-Eigenschaften bei leichtem Wind. Sie hat viel mit einer Jolle gemeinsam, besonders ihre Gleiteigenschaften in der langen Atlantik-See verblüffen. Die ‘Outburst’ gehört zu den wenigen Yachten, die die 20-Knoten-Marke im Surfen erreicht haben.”
Wenn man nun unser Schiff anschaut, staunt man über die Vergangenheit als Racer. “Gipsy Girl” wurde 1984 in derselben Form laminiert, der auch schon “Outburst”, “Port Rex” und einige weitere Rümpfe entsprangen. Allerdings wurde der Rumpf nicht aus Holz, sondern GFK hergestellt. Außerdem bekam das Boot ein anderes Deckslayout, das eher einer Fahrtenyacht entspricht: Ein Deckshaus, Mittelcockpit und Achterkabine. Außerdem wurde das Ruder geändert, es wird jetzt unter dem Schiff an einem Skeg gefahren. Der Spiegel wurde höher gezogen und die Achterkabine auf die gesamte Schiffsbreite ausgedehnt. Das Deck besteht aus Bootsbau-Sperrholz und liegt auf dicken Teakbalken. Obendrauf wurde zusatzlich ein Teakdeck verschraubt und verklebt.
Trotz des Zusatzgewichtes und trotz eines kürzeren Mastes hat das Schiff seine Renneigenschaften dank durchgelattetem Großsegel und Kuttertakelung nicht ganz verloren. Der Voreigner berichtete von einem 208er Etmal in rauem Wetter auf dem Nordatlantik.
Technische Daten:
Rumpflänge : 11,70 m, Lüa: 13,10 m, Lwl: 10,59 m, Breite: 3,73 m, Tiefgang: 1,76 m, Gewicht: 11 Tonnen, Ballast: 3,5 Tonnen Blei, Mastlänge: 13 Meter über Deck, Maschine: BMW D-50 (45 PS), 700 Liter Wasser, 500 Liter Diesel.
Photoshop-Spielerei:





















